Was ist der Schufa Score

Bevor wir uns dem Thema Schufa Score nähern, zunächst ein paar allgemeine Infos was überhaupt ein Score ist oder Scoring bedeutet. Zum Thema Scoring gibt es mehrere Definitionen. Laut Wikipedia steht Scoring „primär für das Zählen von Punkten“ und „im erweiterten Sinne wird es für analytisch, statistische Verfahren benutzt, aus wenigen erhobenen Daten anhand von Erfahrungswerten, […], zu Risikoeinschätzungen zu kommen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Scoring).

Das bedeutet also, dass man bestehende Informationen durch weitere Informationen anreichert um dann eine Einschätzung über ein Risiko abgeben zu können. Risiken besser einschätzen zu können, ist für viele Branchen sehr wichtig und wird daher auch häufig angewendet, so z. B. in der Kreditwirtschaft, in der diagnostischen Medizin und sogar beim Sport.

Welche Schufa Scores gibt es?

Die Schufa arbeitet nach dem gleichen Prinzip und setzt mit ihrem bekannten Schufa Score genau hier an. Die Schufa hilft also ihren Partnern die Kreditwürdigkeit von potentiellen Kreditnehmern zu erhalten. Dabei muss man zwischen zwei Schufa Scores unterscheiden.

Der Basis Score der Schufa

Der Schufa Basis-Score ist branchenunabhängig und macht eine generelle Aussage darüber wie es um die Bonität einer Person, also dem Kreditnehmer steht. Der Basis-Score basiert nur auf den bei der Schufa hinterlegten Daten und wird quartalsweise neu berechnet. Bei einer Selbstauskunft erhalten Sie Auskunft über Ihren persönlichen Basis-Score und über die bestehenden Einträge. Hierzu gehören das Eröffnen eines Girokontos, das Einräumen einer Kreditlinie, die Beantragung einer Kreditkarte, der Abschluss eines Mobilfunkvertrags und auch weitere Einträge. (Mehr Infos zu Ihrer Selbstauskunft erhalten Sie im dritten Teil unserer Serie). Für Unternehmen ist der Basis-Score nicht sehr relevant, sie interessieren sich für den branchenspezifischen Score.

Der branchenspezifische Score der Schufa

Sie finden in Ihrer Selbstauskunft auch Informationen zu den branchenspezifischen Schufa Scores. Diese geben noch detaillierter Auskunft darüber wie die Kreditwürdigkeit einer Person für ein ganz bestimmtes Produkt sein soll. Das Zahlungsverhalten für einen Handyvertrag kann sich nämlich vom Zahlungsverhalten für einen Kredit oder eine Kreditkarte unterscheiden. Beispielhaft seien folgende Schufa Branchenscores genannt:

  • Banken
  • Telekommunikationsunternehmen
  • Genossenschaftsbanken
  • Sparkassen
  • Handel
  • Hypothekengeschäft

Durch diesen branchenspezifischen Schufa Score erhalten Kreditgeber also detailliertere Informationen über den Kreditnehmer, welche ihnen helfen, das Zahlungsausfallrisiko noch besser einschätzen zu können. Das bedeutet aber nicht, dass der Schufa-Score allein darüber entscheidet ob man einen Kredit, eine Kreditkarte, ein Girokonto oder einen Handyvertrag erhält oder nicht. Kreditgeber, die sich für Ihre Bonität interessieren, verlassen sich nicht nur auf den Schufa Score. Im vorangegangenen Artikel haben wir bereits erwähnt, dass Kreditgeber auch auf Daten von anderen Auskunfteien zurück greifen um ein besseres Bild von der Bonität des Kreditnehmers zu erhalten. Darüber hinaus gibt es auch Fälle, wo Unternehmen bereits Informationen über Sie vorliegen haben. Wenn Sie also schon einmal Kunde bei einem Mobilfunkanbieter waren, werden auch diese Daten in die Bewertung einfließen. Erst wenn alle Informationen über eine Person zusammen getragen und gewichtet wurden, kann ein sogenannter „integrierter Scorewert“ errechnet werden, der letztlich darüber entscheidet, ob der Kreditnehmer einen Kredit oder ein Girokonto erhält.

Welche Daten werden für den Schufa Score herangezogen?

Bevor wir näher darauf eingehen, was der Schufa Score genau bedeutet und wie wichtig die Einschätzung der Schufa bezüglich der Kreditwürdigkeit für Unternehmen ist, möchten wir im Folgenden erläutern, welche Daten die Schufa überhaupt für Ihre Einschätzungen nutzt und auch welche Sie nicht nutzt.

  1. Allgemeine Daten: Geburtsdatum, Geschlecht, Anzahl der Anschriften
  2. Kreditnutzung: Alle Verträge mit einem finanziellen Ausfallrisiko (Anzahl, Art, Dauer, Umfang)
  3. Kreditaktivität letztes Jahr: Kredite der letzten 12 Monate, sowohl Anfragen als auch abgeschlossene Verträge. Je mehr Kreditanfragen, desto schlechter.
  4. Länge Kredithistorie: Wie lange sind Kreditbeziehungen bekannt? Wann wurde das erste Girokonto eröffnet? Je länger, desto besser.
  5. Bisherige Zahlungsausfälle: z. B. bei Handyverträgen. Anzahl, Art und Dauer der Zahlungsstörungen fließen negativ in den Score ein. Wenn keine Störungen, dann fließt das positiv mit ein.
  6. Anschriftendaten: Wenn keine Infos vorliegen, werden Daten von Leuten aus der unmittelbaren Umgebung herangezogen. Aber nur Schufa eigene Daten, keine Daten von Dritten.

Neben der Ausnahme Geo-Scoring, gibt es weitere Daten, die die Schufa nach eigener Aussage nicht in das Scoring einfließen lässt wie:

  • Staatsangehörigkeit
  • Religion
  • Ethnische Herkunft
  • Politische Orientierung
  • Social Media Daten
  • Anzahl Selbstauskünfte bei der Schufa

Die Schufa hat also auch keine Informationen darüber was jemand verdient oder wie viel Geld jemand auf seinem Girokonto hat. Das bedeutet, dass ein Schufascore keine Aussagekraft hat wie „reich“ jemand ist, sondern nur darüber wie bereit jemand ist seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Wie bewertet die Schufa Ihren Schufa Score?

Bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit, arbeitet die Schufa mit verschiedenen Werten. Wir haben bereits über den Basis Score und die Branchen Scores gesprochen. Diese Scores werden in Prozenten ausgedrückt und sollen die Erfüllungswahrscheinlichkeit widerspiegeln. Das bedeutet, dass ein Score Wert nicht höher als 100% sein kann und je höher dieser Score ist, desto unwahrscheinlicher ist ein Zahlungsausfall. Sie bedeuten auch, dass wenn jemand einen Score Wert von 90% hat, die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt, bei 90% liegt bzw., dass 90 von 100 Personen der Verpflichtung nachkommen würden.

Die Schufa interpretiert diese Prozentwerte selbst und legt dafür die folgenden Risikokategorien zu Grunde (Stand Juni 2016):

Scorewert Erfüllungswahrscheinlichkeit
>97,5% Sehr geringes Risiko
95% – 97,5% Geringes bis überschaubares Risiko
90% – 95% Zufrieden stellendes bis erhöhtes Risiko
80% – 90% Deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
50% – 80% Sehr hohes Risiko
<50% Sehr kritisches Risiko

Wie Sie sehen, benötigt man schon einen sehr hohen Schufa Score Wert, damit Unternehmen Ihnen ein Handy oder einen Kredit anvertraut. Bei einem Scorewert unter 90% müsste man meinen, dass das noch ein sehr guter Wert ist, tatsächlich ergibt sich hier schon ein deutlich erhöhtes bis hohes Risiko. Für die meisten Unternehmen ist das schon ein Wert, wo das Risiko als zu groß eingeschätzt wird.

Von den Risikokategorien einmal abgesehen, bietet die Schufa Ihren Kunden auch sogenannte Ratingstufen für die Einordnung der Erfüllungswahrscheinlichkeit an. Dabei unterscheidet die Schufa nach zwei grundsätzlichen Kategorien, offene und nicht offene Negativmerkmale. Offene Negativmerkmale bezeichnet man Einträge, die noch nicht abschließend geklärt wurden, wo also noch eine Forderung offen ist. Diese kann man nicht einfach aussitzen, in der Hoffnung, dass die Einträge irgendwann gelöscht werden müssen. Tatsächlich müssen nur Einträge gelöscht werden, die auch abgeschlossen sind. Aus diesem Grund wirken sich offene negative Einträge extrem negativ auf den Score Wert aus. Die Ratingstufen gehen bei den nicht offenen negativen Merkmalen von A (beste Bonität) bis M, bei nicht offenen negativen Merkmalen von N bis P. Hier einmal beispielhaft die Ratingstufen für Telekommunikationsanbieter (Stand Juni 2016):

Ratingstufe Punktzahl Ausfallrisiko
Keine offenen Negativmerkmale A 9.924 – 9.999 1,04%
B 9.871 – 9.923 2,17%
C 9.840 – 9.870 3,25%
D 9.788 – 9.839 4,32%
E 9.715 – 9.787 5,73%
F 9.578 – 9.714 8,24%
G 9.166 – 9.577 13,97%
H 8.777 – 9.165 17,34%
I 8.513 – 8.776 18,86%
K 8.273 – 8.512 23,57%
L 7.948 – 8.272 27,22%
M 1 – 7.947 50,71%
Offene Negativmerkmale N 2.074 – 9.999 57,28%
O 241 – 2.073 85,19%
P 1 – 240 96,19%

An dieser Tabelle sieht man ganz deutlich, dass wenn man noch offene Negativmerkmale hat, das geringste berechnete Ausfallrisiko schon bei 57,28% liegt. Das heißt, dass wenn es sonst keine negativen Einträge gibt, mehr als jeder Zweite seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen wird. Oder andersrum, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen mit der Erfüllung des Vertrages rechnen kann, liegt bei 42,72% und damit bei einem Wert bei dem kein Unternehmen das Risiko eingehen wird in Vorleistung zu gehen. Um den Schufa Score zu verbessern, sollte man also zunächst bei den offenen Negativmerkmalen ansetzen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Im nächsten Artikel erfahren Sie wie ein Mobilfunkbetreiber konkret Ihre Bonität prüft und entscheidet ob Sie einen Handyvertrag bekommen, oder nicht.

Wenn Sie das überspringen möchten, können Sie sich auch direkt ein Handy Angebot aussuchen. Eine Auswahl haben wir unter Handy ohne Schufa zusammengestellt.